Grundsätzlich ist beim Umgang mit radiokativen Mineralien darauf zu achten, die Strahlenexposition weitmöglichst zu minimieren. Dabei wird unterschieden, ob die radioaktive Strahlung von außen auf den Körper einwirkt (äußere Exposition) oder ob die Strahlung z.B. durch aufgenommene Radionuklide aus der Atemluft/Nahrung von innen auf den Körper einwirkt (innere Exposition).
Die äußere Exposition kann am einfachsten durch kurze Verweildauer und Abstandhalten zur Strahlenquelle reduziert werden, die Strahlenexposition sinkt quadratisch zur Entfernung. Abschwächung durch Abschirmung gelingt besonders wirkungsvoll bei Beta- und Alphastrahlung. Die Reichweite von Alphastrahlung beträgt in Luft nur einige wenige Zentimeter und kann Papier oder die Haut nicht durchdringen.
Dennoch dürfen Gefährdungen durch Alphastrahler keinesfalls unterschätzt werden. Werden alphastrahlenden Gase oder Partikel in den Körper aufgenommen, können diese unter Umständen dort sehr lange verbleiben und durch ihre unmittelbare Nähe zum Körpergewebe zu Zellschädigungen führen. Radioaktive Feststoffe können in radioaktive Gase zerfallen und umgekehrt. So ensteht beim Zerfall von Uran das radioaktive Gas Radon, das seinerseits in radioaktive Folgeprodukte zerfällt. Zudem ist zu beachten, dass einige der Zerfallsprodukte Beta- oder Gammastrahlung emittieren und auf Grund der langen Halbwertsdauer von Uran immer in sehr kleinen Mengen vorhanden sind.
Neben der Radioaktivität darf nicht vergessen werden, dass viele radioaktive Stoffe, wie z.B. Uran, Schwermetalle sind. So sind sie und viele ihrer Verbindungen ähnlich wie z.B. Quecksilber oder Blei sehr giftig (chemische Toxizität).
Auf Grund der vielfältigen Isotope (gleiches chemisches Element, also gleiche Protonenzahl, aber unterschiedliche Neutronenzahl), Verbindungen und Wirkungsweisen kann nicht ein bestimmtes radioaktives Element als das "am wenigsten gefährliche" eingestuft werden.
Aus diesen Kenntnissen leiten sich folgende Maßnahmen für den Umgang mit radioaktiven Mineralien ab:
Generell: die "drei A" des Strahlenschutztes beachten: Abstand, Aufenthaltszeit beschränken, Abschirmung verwenden
Lagern:
möglichst nicht in der Wohnung, bzw. nicht in Wohn- und Schlafräumen
in möglichst dichten Plastikdosen aufbewahren (um Radon- und Staubaustritt zu mindern). Nicht in geschlossenen Räumen öffnen.
für Uraninit ("Pechblende") wird empfohlen, die Plastikdose zusätzlich mit Blei zu umhüllen
eindeutig als radioaktiv/giftig kennzeichnen
unerreichbar für Kinder aufbewahren
Hantieren:
nicht zeitgleich essen, trinken oder rauchen
Handschuhe tragen, damit nur das nötigste berühren, insbesondere nicht das Gesicht oder die Kleidung. Nach Gebrauch Handschuhe in eine Plastiktüte verpacken.
Partikelbildung vermeiden. Nicht unnötig zerkleinern. Darauf achten, dass die kleinen Partikel sich nicht überall verteilen. Anfeuchten, feuchtes Tuch unterlegen und noch feucht entsorgen.
Hände waschen
Einige ergänzende Worte zu Uran Hinsichtlich der Radioaktivität müssen die verschiedenen Isotopengemische unterschieden werden.
"Natürliches Uran" besteht aus einem Isotopengemisch von ca. 99.3 % U-238, ca. 0.7% stärker strahlendem U-235 und ca. 0.006% U-234, das trotz des geringen Anteils für rund die Hälfte der Gesamtaktivität verantwortlich ist. Alle drei Isotope sind Alphastrahler. In ihren Zerfallsreihen treten jedoch auch Zerfallsprodukte auf, die Beta- oder Gammastrahlung emittieren und in sehr kleinen Mengen immer vorhanden sind.
"Angereichertes Uran" mit einem erhöhten Anteil von U-235 wird zur Kernspaltung in Kernkraftwerken und Atomwaffen benutzt.
"Abgereichertes Uran" enthält weniger als ein Drittel des natürlichen U-235 und U-234 Gehalts und weist im Vergleich zu natürlichem Uran eine auf ca. 60 % erniedrigte externe Strahlendosis auf. Abgereichertes Uran wird in Form von Geschossen ebenfalls militärisch genutzt. Jedoch nicht wegen seiner (vergleichsweise schwachen) Radioaktivität sondern wegen der hohen Dichte des Urans und der damit verbundenen hohen Durchschlagskraft. Die Umweltkontamination durch zurückbleibende Geschosse beruht zu einem großen Teil auf der chemischen Toxizität des Urans. Zivile Anwendungen machen sich ebenfalls die hohe Dichte dieses Metalls zu Nutze, die mit 19.2g/cm3 nicht nur höher ist als die von Stahl (7.9g/cm3) sondern auch von Blei (11.3 g/cm3). So wird abgereichertes Uran beispielsweise als platzsparendes Gegengewicht in Flugzeugen oder als Abschirmung vor Röntgen- oder radioaktiver (Gamma-) Strahlung eingesetzt.
Verbindungen aus natürlichem Uran wurden bis vor wenigen Jahrzehnten zum Färben von Glas ("Uranglas") oder für die Glasur von Geschirr verwendet. Auch hier lässt sich eine (schwach) erhöhte Radioaktivität messen, über die gesundheitlichen Risiken bei normalem Gebrauch ist sich Fachwelt uneinig. Zur ersten Förderung einheimischen Urans wurden 1956 von der Maximillianshütte AG ("Maxhütte"), Sulzbach, sogar 116 Gramm schwere Medaillen aus reinem Uran geprägt. Ein Exemplar wurde im September 2010 bei ebay zum Höchstgebot von EUR 500 versteigert.
Siehe auch
Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Uran und die dort aufgeführten Verweise
der Video Beitrag im Wissensmagazin Galileo am 14.10.2010 http://www.prosieben.de/tv/galileo/videos/clip/33801-radioaktivitaet-im-alltag-1.2106241/
zur Uran-Medaille: "Physik in unserer Zeit", Nr 4/2005 http://www.wiley-vch.de/berlin/journals/phiuz/05-04/Phy1073-Web.pdf
Sammeln von Uranmineralien: LAPIS 3/1996 (S. 29-35), LAPIS 3/2008 (S .40) |